Gedanken III

Die Erkenntnis der Einmaligkeit

 

Ein Bekannter meines verstorbenen Freundes Frido war mal dabei, als Frido und ich ein wenig auf unseren Gitarren rum daddelten. Als wir kurz unterbrachen, sagte er: *So wie ihr möchte ich auch Gitarre spielen können. Das muss großartig sein!*

Ich bot ihm zum Ende des Besuches an, ihm Unterricht zu geben, und er willigte begeistert ein. Und so kam es ... Aber schon bald bemerkten wir beide, dass es bei ihm einfach keinen Zweck zu haben schien, denn irgendwie fehlte ihm die nötige Feinmotorik. Niedergeschlagen sagte er: *Es bringt nichts, ich schaffe es einfach nicht. Lass uns aufhören!“ Ich erwiderte ihm zwar, dass ich das anders sähe, aber insgeheim wusste ich natürlich, dass er Recht hatte. Und wir beließen es dabei.

Geknickt verließ er mich, und ihm aus dem Fenster nachblickend sah ich, dass er mit gesenktem Kopf zu seinem Auto schlich. Er war wirklich traurig.

 

Wochen später traf ich ihn zufällig auf der Straße, und er lud mich auf eine Tasse Kaffee zu sich nach Hause ein. Erfreut begab ich mich mit ihm zu seiner Wohnung. Ich will ehrlich sein: Ich erwartete sein menschliches Ebenbild als Wohnung, nämlich grau, lustlos und fade. Und dann stand ich drin, und ich setzte mich fast auf meinen Hintern: Alles bunt, viele Farben, nett, freundlich, äußerst einladend, und überall Bilder und Zeichnungen an den Wänden und allen möglich Staffellagen. Er bemerkte mein Interesse und sagte: *Schau sie dir ruhig an, ich koche inzwischen den Kaffee.*

Meine Kenntnisse in Mal- und Zeichenkunst waren bescheiden, aber ich erkannte dennoch, dass es einfach gut und schön war, was dort alles so hing und stand. Ich rief zur Küche rüber: *Tolle Sachen! Von wem sind die? Wo kann man so etwas kaufen?* Tja, und dann setzte ich mich fast zum zweiten Mal hin, als ich seine Antwort hörte: *Alles, was du da siehst, ist von mir.* *Waaaaas???? Ehrlich???*

Im Laufe des Nachmittags drückte ich ihm mehrmals meine Bewunderung für sein Können und Geschick aus, und ich sagte zum Schluss: *So malen und zeichnen müsste man können. Das wär schon was!*

 

Erst zu Hause fiel mir auf, dass er zu mir damals beim Musizieren fast das Gleiche gesagt hatte, und mir wurde klar, dass wohl eigentlich jeder Mensch irgendwas kann, womit er andere Menschen beeindrucken kann.

Der eine spielt gut Gitarre, der andere malt einmalig schöne Sachen, wieder andere können gut singen. Der eine kann sich mit einer Hand eine Zigarette drehen, der andere kann sehr gut pfeifen, wieder andere können erstklassige Käsekuchen backen. Usw., usw. Und genauso verhält es sich mit dem Aussehen und/oder anderen menschlichen Attributen.

Wie oft sagt man so vor sich hin: *Boah, sieht die gut aus, einen Traumkörper hat die.*

Und man vergisst dabei, dass man vielleicht dicker ist als andere, man dafür aber die schönsten Augen der Welt hat.

Wie oft denkt man: *Ach, ich bin so unbeholfen. Nichts gelingt mir.*

Und man vergisst dabei, dass man vielleicht ungeschickt ist, man dafür aber eine Stimme hat, in die man sich sofort verliebt.

Wie oft schimpft man: *Mein Mann zeigt überhaupt kein Interesse an mir, liebt der mich überhaupt noch?*

Und man vergisst dabei, dass der Haussegen vielleicht schief hängt, man dafür aber durch sein freundliches Wesen viele, viele Freunde hat, die einen um nichts in der Welt verlieren möchten.

 

Dies könnte ich nahezu unendlich fortführen.

 

Jeder Mensch ist einzigartig! Er ist durch nichts zu ersetzen. Würde er verschwinden, wäre es ein unersetzlicher Verlust, denn irgendwas, und sei es nur eine klitzekleine Besonderheit, würde mit ihm verschwinden.

 

Ich wünsche Ihnen allen die Erkenntnis Ihrer Einmaligkeit!!!

 

Das Glück

 

Kann man eigentlich etwas finden, wonach man gar nicht sucht?

Natürlich kann man das. Man sollte nur die Türen seiner Seele und seines Herzens geöffnet lassen. Dann kann es durchaus passieren, dass man vom Glück gefunden wird. Denn das Glück selbst sucht immer! Selbst die, die meinen, es schon längst zu besitzen.

 

Wie aber kann man sich nun vom Glück finden lassen? Durch die Bereitschaft, das Schöne des Augenblicks wahrzunehmen, die Augen zu öffnen für das Leben im Jetzt, das Herz zu öffnen für ein Lächeln des Gegenübers, und die Seele zu öffnen für alle Dinge, die mit den Sinnen aufgenommen werden könn(t)en.

Im Jetzt! Im Hier!

 

Mache immer, wenn es Dir möglich ist, einen Menschen glücklich. Und Du wirst sehen, dass Du Dich selbst damit glücklich machst ... vor allem Dich selbst! Wenn Du Glück verschenkst, dann kommt es auch zu Dir.

 

Schimpfe nicht über den Regen, wo Du doch ganz genau weißt, dass irgendwann auch wieder die Sonne scheinen wird. Freunde Dich mit dem Regen an, dann werden seine Tropfen wie kleine Sonnenstrahlen für Dich sein.

Sei zufrieden mit dem, was Du hast, dann ist ein Dreier im Lotto wie ein Geldsegen für Dich.

Arrangiere Dich mit Deiner Krankheit, dann ist ein Aufwachen ohne Schmerzen ein Geschenk Gottes.

Öffne Seele und Herz zu Dir, für Dich und Dein Leben, dann wird das Glück Dich finden. Denn es schlummert schon längst in Dir!

 

Die verlorene Fähigkeit

 

Wenn Dein Kind von draußen hereinstürmt und aufgeregt zu Dir sagt „Mutti, Mutti, ich habe eben ein Einhorn gesehen!“, so glaube ihm das.

Wenn Dein Kind aus seinem Zimmer läuft und vorwurfsvoll zu Dir sagt „Mutti, Du hast doch gesagt, die Oma ist tot, aber ich habe eben mit ihr geredet!“, so glaube ihm das.

Wenn Dein Kind abends am Esstisch plötzlich ganz ruhig wird und ängstlich zu Dir sagt „Mutti, fahre morgen bitte mit dem Bus zur Arbeit, das Auto ist kaputt!“, so glaube ihm das.

 

Warum Du all das glauben sollst? Weil es wahr ist!

Die Fähigkeiten des Sehens, des Glaubens und des Wissens sind Geschenke, die alle Kinder zu ihrer Geburt erhalten. Leider verlieren sie sie im Laufe ihrer frühen Kindheit tief in sich selbst.

So, wie wir einen einstmals unverzichtbaren, weil heiß geliebten Gegenstand irgendwann in eine Pappschachtel legen, in den Keller bringen, und ihn dort vergessen.

Und so, wie wir manchmal beim Aufräumen oder beim Umzug diesen Gegenstand wieder finden und fast zu Tränen gerührt sind, so kann es sein, dass wir von einem Moment auf den andern irgendwann auch wieder sehen, glauben und wissen können.

 

Und falls wir dann während eines einsamen Spazierganges plötzlich ein Einhorn zu Gesicht bekommen, oder wir während eines Leseabends das liebe Lächeln der toten Oma im Halbdunkel des Zimmers erkennen, oder wir mit einem Mal das Wissen in uns tragen, dass der linke Hinterreifen des Autos morgen platzen wird, dann sollten wir nicht erschrecken, oder gar an unserem Verstand zweifeln.

Nein, dann sollten wir dankbar sein, die verlorenen Geschenke wieder gefunden zu haben.

 

Die Leitern des Lebens

 

Man sollte auf jede Art von Leiter nicht zu hoch hinaufsteigen, denn von jeder Leiter ist ein tiefer Fall sehr schmerzhaft.

Drum sei vorsichtig, auch wenn diese Leitern Glück, Zufriedenheit, Gesundheit und Liebe heißen mögen. Bleibe spätestens in der Mitte stehen.

 

Es kommt der Tag, an dem Du ganz hochklettern kannst, denn dann wirst Du von oben gehalten, und ein Licht wird Dich führen.

 

Diese Leiter heißt Daheim ...